Ich bins, die Mama:

Besserwisser

Besserwisser

Wieso muss ich überhaupt Hausaufgaben machen, das haben wir schon hundert Mal gemacht!wütet Flori eines Nachmittags, als wir mal wieder am Küchentisch sitzen.Dann müsstest du allmählich auch wissen, welche Wörter man wie steigern kann, wenn du es schon hundert Mal gemacht hast, entgegne ich etwas entnervt.Gestern ist jedenfalls kein Adjektiv und lässt sich nicht steigern.

Flori ist ebenfalls entnervt. „Doch! Gestern, gesterer und am gestersten! Ganz einfach!“ Ich widerspreche ihm mal wieder: „Nein. Einfach, einfacher, am einfachsten, das geht, aber was soll bitte am gestersten sein?“ Jetzt steigt auch noch Lena mit ein. „Ist doch klar – irgendein Ereignis hat eben nicht gestern, sondern schon vor längerer Zeit stattgefunden. Aber es fühlt sich an, als ob es erst gestern gewesen wäre.“

Ich bin absolut begeistert, dass sich die große Schwester in die ohnehin schon schwierige Diskussion einmischt und werfe ihr einen strafenden Blick zu. Lena aber ignoriert diesen Blick und fabuliert fröhlich weiter: „Weißt du, Flori, steigern kann man alles. Tomate, Tomater, am Tomatersten – das ist dann die allerbeste Tomate. Oder ist übrigens die Steigerung von od, und die Höchststufe ist am odersten – wenn man gar nicht weiß, für was man sich entscheiden soll.“ Vollständigen Beitrag lesen »

Ich bins, die Mama:

Gemüse

Leider habe ich ja einen Sohn erwischt, der beim Essen schon sehr speziell heikel und außerdem kompliziert ist. Neulich fing er beim Frühstück an, maulend und mit großem Theater die Rosinen aus dem Müsli zu sortieren. Ich übte mich in Geduld – und staunte sehr, als er sich kurz darauf eine Rosine nach der anderen in den Mund steckte. „Ich denke, du magst keine Rosinen?!“ „Doch, mag ich schon, aber nicht im Müsli!“

In einem sind sich Flori und Lena bei allen sonstigen Streitereien auf jeden Fall einig: beide mögen kein Gemüse. Fairerweise müsste ich hinzufügen: kein gekochtes Gemüse. „Natürlich mag ich Gemüse – sind Kartoffeln etwa kein Gemüse?“, entgegnet Flori auf mein Seufzen. Also gut, Kartoffeln sind die Ausnahme, außerdem noch Gurken, aber das war’s dann auch schon.

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Ich bins, die Mama:

Wurstverkleidung

Vor kurzem saßen Lena und ich im Auto, als im Radio von der bevorstehenden Bambiverleihung berichtet wurde. Besonders wichtig waren, neben den potentiellen Preisträgern, deren Outfits. Es wurde gemutmaßt, wer überhaupt und in welcher Kostümierung kommen würde, allen voran eine gewisse Lady Gaga.

„Dinge, die die Welt bewegen“, murmelte ich verächtlich ob der Ausführlichkeit, mit der die Äußerlichkeiten irgendwelcher Sternchen beleuchtet wurden. Lena hieb in die gleiche Kerbe: „Es ist mir ganz ehrlich egal, ob sie diesmal als Mett – oder Bratwurst verkleidet zur Kreisverleihung kommt.“

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Ich bins, der Flori:

Geburtstag und Weihnachten

Letzte Woche hatte ich Geburtstag! Endlich! Da hab ich mich schon ganz lange drauf gefreut und konnte es gar nicht erwarten. Und auf Weihnachten freu ich mich auch schon so – eigentlich gemein, dass gleich zwei Sachen im Winter sind, auf die ich immer ein ganzes Jahr lang warten muss. Und meine Geburtstagsfeier war ganz toll und ich hatte auch alle meine Freunde eingeladen, so dass wir neun Kinder waren. Ich hätte ja noch viel mehr Kinder eingeladen, aber das wollten Mama und Papa nicht. „Sonst wird’s uns zu wild“ haben sie gesagt.

Aber eigentlich war die Mama selber am wildesten, zumindest am Anfang. Da saßen nämlich wir alle ganz brav und gar nicht wild am Geburtstagstisch zum Kuchenessen zwischen ganz vielen Luftschlangen und Süßigkeiten und Girlanden. Und die Mama sagte zu uns, dass sie sehr gespannt ist, wie viele Becher mit Limo diesmal umgeschüttet werden, sie hätte die Feuerwehr schonmal angerufen. Dann teilte sie das erste Stück Kuchen aus und – ploing – stieß sie an Franzis Limobecher. Der Becher fiel um, die Limo lief über den Tisch auf seine Hose und alle mussten furchtbar lachen. Übrigens hat überhaupt keiner sonst irgendwas umgeschmissen außer der Mama.

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Ich bins, die Mama:

Konzentration

Mein Kind ist mir ein Rätsel. Immer wieder einmal. Und zwar ein großes Rätsel. Mir ist manchmal nicht klar, wie ein und dasselbe Kind so extrem verschiedene Verhaltensmuster an den Tag legen kann, und zwar an einem einzigen Tag.

Dass Flori manchmal etwas unkonzentriert ist, kann ja passieren. Sind wir alle mal. Er kommt morgens runter zum Frühstück, immerhin schon angezogen, dummerweise aber mit verschiedenen Flecken auf seinem Pulli. Mütterliche Ansage: „Geh bitte rauf in dein Zimmer und zieh dir einen frischen Pulli an.“ Kann nicht so schwer sein, möchte man meinen. Aber es dauert allein schon, bis Flori sich auf den Weg in sein Zimmer macht, vorher muss er noch aufs Klo und die Katze füttern. Also gut, endlich ist er in seinem Zimmer verschwunden. Vollständigen Beitrag lesen »

Ich bins, der Flori:

Schulanfang

Es ist blöd, dass die Ferien schon wieder vorbei sind. Eigentlich wär’s viel besser, wenn’s im ganzen Jahr nur einen Tag Schule gäbe und ansonsten Ferien wären. Die Mama meint zwar, dass mir dann ganz schön langweilig sein würde, aber das stimmt nicht. Weil man in den Ferien in den Urlaub fährt, zum Beispiel ans Meer und viele Ausflüge macht.

Am letzten Ferientag durften wir aussuchen, ob wir ins Kino oder ins Schwimmbad wollen. Eigentlich wollten wir ins Kino, aber dann hat die Mama im Programm gelesen, dass für mich kein Film dabei war – einen hatte ich schon gesehen, und den anderen darf man erst ab 12 Jahren anschauen. Dann sagen wir halt, dass ich zwölf Jahre alt bin, habe ich gesagt. Und warum’s überhaupt Filme für Erwachsene und für Kinder gibt, das hab ich nicht verstanden. Aber die Lena hat gesagt, dass zum Beispiel bei einem Erwachsenenfilm so viele Schimpfwörter benutzt werden, die Kinder nicht hören sollen, deshalb darf man die erst anschauen, wenn man älter ist. Komisch, weil Schimpfwörter weiß ich auch.

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Ich bins, die Mama:

Zahnfee

Angekündigt hatten sie sich schon längst, jetzt war’s endlich soweit: Die neuen Zähne sind unterwegs. Vor ein paar Wochen schon war Flori irgendwie gegen das parkende Auto im Hof gerollert und verkündete danach jedem der’s hören wollte oder auch nicht: „Mein Zahn wackelt, weil ich gegen das Auto gesaust bin, willst du mal sehen?“ Natürlich wollten alle und waren schwer beeindruckt.

Dann passierte wochenlang gar nichts, der Zahn wackelte immer mehr vor sich hin, aber ans rausfallen dachte er gar nicht. Obwohl schon das untere Ende zu sehen war und er um 90 Grad gedreht im Zahnfleisch stand, blieb er standhaft. Doch dann kam die Zahnbürste nach dem Abendessen, eine kurze Schrecksekunde – und endlich war’s passiert. Für Flori war gleich klar: „Den kriegt die Zahnfee!“ Vollständigen Beitrag lesen »

Ich bins, die Mama:

Fußballweltmeisterschaft

Es ist nicht so, dass ich mich besonders für Fussball interessiere. Man nimmt’s halt so hin, ja mei, die große Begeisterung ist es nicht. Was ich aber höchst interessant finde, sind die Dinge, die sich im Großen wie im Kleinen rund um die Weltmeisterschaft so abspielen.

Flori zum Beispiel schmiert sich sein Pausenbrot neuerdings selber – mit der Deutschlandfahne drauf. Als er mir diesen Wunsch neulich präsentierte, schaute ich ihn äußerst skeptisch an: „Und du bist dir sicher, dass das schmeckt? Ein Stück Stoff?“ Aber nein. Ein Brot mit Butter drauf und je einem Streifen Honig, Kirschmarmelade und Nutella. Bitte, warum nicht.

Natürlich werden auch Fussballbilder gesammelt, 5x Lahm hat Flori schon, Klose, Neuer, fast alle. Und als er gestern mittag freudestrahlend aus der Schule heimkam, wusste ich, dass er endlich den Ballack ertauschen konnte. Fußball macht glücklich.

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Ich bins, die Mama:

Spontanheilungen

Vor kurzem hörte ich einen Kabarettisten den schönen Satz sagen: Wenn Männer krank sind, dann brauchen sie keine Pflege. Männer, die krank sind, brauchen eine Art Sterbehilfe. Und wenn ich mir Flori so anschaue, kann ich dieses schöne Klischee zumindest für meinen Sohn definitiv bestätigen. Niemand leidet so überzeugend und so intensiv wie er. Und niemand erfährt so viele Spontanheilungen wie er.

Letzten Sonntag kam er um 7 Uhr morgens an unser Bett, mit schmerzverzerrtem Gesicht:“Mir tut mein Fuß sooo weh! Auuu! Ich kann gar nicht auftreten! Seit gestern nachmittag schon.“ Das war mir neu, ich konnte mich nur erinnern, dass es ziemliche Überredungskünste brauchte, ihn vom Spielplatz heim zu holen. Auch jetzt brauchte es gutes Zureden, dass ich mich um seinen Fuß erst nach dem Aufstehen kümmern würde. Also trollte er sich wieder in sein Zimmer, schwer humpelnd.

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Ich bins, der Flori:

Wackelpudding

Irgendwie versteht die Mama immer nicht, was ich beim Essen für tolle Sachen entdecke. Oder sie versteht es vielleicht, aber sie will’s nicht wissen, weil ich ja essen soll und nicht Sachen entdecken. Neulich zum Beispiel gab’s Backerbsensuppe, die mag ich schon gerne. Vor allem mit ganz vielen Backerbsen.

Und als ich so gegessen habe, habe ich die Lupe von meinem Insektenbecher gesehen, die auch auf dem Tisch lag. Und – schwups – hab ich schon wieder was entdeckt, als ich mir damit die Backerbsen angeschaut hab. Jetzt weiß ich nämlich, wie man die Backerbsen macht. Wenn man die mit der Lupe vergrößert, sieht man das sofort. Aber der Mama werd ich das nicht verraten, auch wenn sie es gerne wissen will. Das kenne ich schon. Dann gibt’s nämlich bestimmt bald selbst gemachte Backerbsen, und die schmecken dann nicht. Beim Apfelmus ist es auch so, da schmeckt das gekaufte viel besser. Weil viel mehr Zucker drin ist, sagt die Mama. Kann schon sein, schmeckt trotzdem besser, auch wenn’s vielleicht nicht so gesund ist.

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